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Brauchen wir Macht?

Die täglichen Nachrichten führen uns immer wieder Zustände wie zur Zeit Jesu vor Augen: „Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.“ Jesus weiß, wovon er da spricht. Bekanntlich war zu seiner Zeit Pontius Pilatus der römische Statthalter in Palästina. Palästina galt in Rom als Unruheprovinz. Pontius Pilatus hatte in der römischen Provinz Germania hart durchgegriffen und sich so als Statthalter einen Namen gemacht. Dem Kaiser in Rom schien er deswegen der richtige Mann für die Unruheprovinz Palästina zu sein. Er sollte dort für Ruhe und Ordnung sorgen und er tat es mit eiserner Hand und brutaler Gewalt. Er veranlasste in kurzer Zeit hunderte von Kreuzigungen. Auch die Kreuzigung Jesu war darunter.

In zahlreichen Ländern kommen uns heutzutage die Zustände ganz ähnlich vor, wie zur Zeit Jesu. Machthaber unterdrücken Volksgruppen oder ganze Völker mit brutaler Gewalt. Täglich führen uns das die Nachrichten aus der Ukraine mir schrecklicher Aktualität vor Augen. In einem demokratischen Staat, wie dem unseren, müssen Macht und Herrschaft demokratisch legitimiert sein. Doch selbst in einer Demokratie muss es Macht und Herrschaft geben, damit das Gemeinwesen funktioniert.

Jesus sieht das anders. Er meint, es geht auch ohne Herrschaft. Seine Worte widersprechen unserer Erfahrung. Für uns ist es selbstverständlich, dass es Herrschaft und Macht geben muss und so denken auch zwei der Jünger Jesu: die Brüder Jakobus und Johannes. Sie wollen, dass Jesus ihrer Forderung nachkommt: „Meister, wir wollen, dass du für uns tust, um was wir dich bitten werden.“ Und sie fordern: „Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit.“  Die beiden Brüder wollen mit Jesus im Himmel herrschen. Sie wollen mit ihm am Ende der Zeiten über die Völker zu Gericht sitzen. Das haben sie doch auch verdient. Schließlich sind sie auch bereit für ihren Glauben zu leiden. Ihr Eintreten für den Glauben an Jesus Christus muss sich lohnen, so meinen die beiden Brüder.

Jesus aber meint: Den von den beiden Brüdern geforderte Lohn im Himmel bekommen ausschließlich diejenigen, für die er von Gott bestimmt ist.

Bei uns hängen Macht und Leistung zusammen. Durch besondere Leistungen kann man auf der Karriereleiter nach oben klettern. Je höher jemand aufsteigt, desto mehr Macht hat der oder diejenige. Die Jünger Jakobus und Johannes übertragen diese menschliche Erfahrung auf ihren Lohnanspruch im Himmel. Dem widerspricht Jesus und rief die Jünger „zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.“ Damit widerspricht Jesus dem Zeitgeist und zeigt uns einen Weg weg von Gewalt und hin zu mehr Menschlichkeit.

Andreas Fritsch ist Pfarrer im Kirchenkreis Bad Liebenwerda