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Der Weg durch die Corona-Krise

Ein Kommentar von Superintendent Thomas Köhler.

Der Meraner Höhenweg ist ein Wanderweg im Hochgebirge. Er zieht sich in Südtirol um das Gebirgsmassiv der Texelgruppe. An einer Stelle gibt es die 1.000-Stufen-Schlucht. Erst geht es bergab, dann wieder hinauf. Zwischendurch geht es mal geradeaus, mal wieder etwas hinab. Insgesamt aber viele Stufen hinauf.

Man kann nur jeweils 20 bis 30 Stufen weit sehen. Immer wieder geht es um Kurven. Selbst, wenn man die Stufen zählt, weiß man nicht wie weit man ist, weil es doch weit mehr als 1.000 Stufen sind. Erst wenn man um die letzte Kurve gelaufen ist, sieht man das Ende der Schlucht. Wenn man langsam geht, immer wieder Pausen macht, bedenkt, was man schon geschafft hat, dann kommt man durch die Schlucht und erreicht kurz danach den Pirchhof, wo es gut zu essen und zu trinken gibt. Dieser Weg ist für mich ein Bild für unseren Weg durch die Coronakrise. Die erste schwere Zeit haben wir geschafft. Jetzt, da ich diese Zeilen schriebe, werden erste Lockerungen der Kontaktsperre umgesetzt. Zugleich gibt es Warnungen, dass wir lange Zeit mit Einschränkungen leben müssen. Ich weiß nicht, ob das so kommen wird. Aber ich frage mich schon: Wann werden wieder Familienfeiern stattfinden können, runde Geburtstage, Hochzeiten,

Taufen? Werden wir uns als Land abschotten und die Grenzen wieder hochziehen? Was ist mit den Grundrechten wie dem Demonstrationsrecht und dem Religionsrecht? Und: Was wird das für unser kirchliches Leben bedeuten? Werden wir Freizeiten mit Kindern und Jugendlichen durchführen können? Werden wir Weihnachten in gewohnter Form feiern können? Bei allen Fragen: Die COVID 19-Epidemie wird vergehen. Es wird sicher noch manches schwere Stück Weg geben, aber wir werden Leben und Zukunft haben. Jetzt wie in der 1.000-Stufen-Schlucht gilt: „Und wenn ich auch wanderte im finsteren Tal, so fürchte ich kein Unglück. Denn du, Gott, bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich.“

Im Vertrauen auf die Wahrheit dieser Worte gehe ich den nächsten Schritt in den neuen Tag. Und ich bin gespannt, wie unser Pirchhof aussehen wird, also: an welchem Ort wir schließlich ankommen werden, um zu feiern.