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Die tollen Tage

Jetzt beginnen die tollen Tage: Weiberfastnacht, Karneval, Rosenmontag, Fastnachtsdienstag. Die einen freuen sich, die anderen verdrehen die Augen. Aber daran vorbei kommt wohl niemand! Zumindest das Fernsehprogramm ist zu einem großen Teil in der Hand der Jecken. Ist es angebracht, in so einer ernsten und schwierigen Zeit Spaß zu haben? Wir sehen sorgenvoll in Richtung Ukraine, hoffen, dass es keinen Krieg geben wird. Und dann gibt’s noch diese Krankheit mit „C“. Auch die kirchliche Tradition war und ist nicht immer karnevalsfreundlich. In Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ argumentiert der strenge Abt: „Auch Jesus hat nie gelacht – jedenfalls ist das nicht biblisch belegt!“ Spaß und Glaube – geht denn das?

Den Karneval gab es schon in der Antike. In diesen Tagen durften die Narren symbolisch die Macht übernehmen! Man machte sich nach Herzenslust über die Fehler und Schwächen der Obrigkeit lustig. Tabu waren Witze über Schwächere, über Randgruppen und über Menschen, die es im Moment nicht leicht haben. Lachen nimmt dem Ernst den Schrecken. Wer lacht, hat Hoffnung: Die Herren dieser Welt sind nicht alles, was es gibt. Sie sind nicht so stark, wie sie sich geben. Wer sogar über sich selbst lachen kann, hat auch Hoffnung für sich selbst: Man muss nicht alles selber stemmen. Schon gar nicht den Sinn des Lebens. In seiner „Narrenrede“ (2 Kor 12, 1-6) parodiert Paulus seine eigene Schwäche: Die der Selbstgerechtigkeit. Ob „Jesus gelacht hat“? Ja, sicher! Wer auf Gott vertraut, kann lachen! Weil er all das Bedrohliche wie Dummheit, Arroganz und Größenwahn als das sehen kann, was es ist: Als etwas, das sich selbst richtet. Ich wünsche Ihnen eine frohe Faschingszeit – und viele gute Witze!

Uta Wendel ist Pfarrerin im Kirchenkreis Niederlausitz