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Du sollst nicht töten

Es ist Montag, Kinderkirche. Die Kinder sitzen da und knabbern Chips. Wir lassen es uns gut gehen. Später reden wir über eines der zehn Gebote. Du sollst nicht töten. Erst einmal widmen wir uns dem Leben. Wir suchen unseren Puls und erspüren unseren Atem. Wir sammeln Momente, in denen wir unser Leben spüren: wenn wir Sport treiben, lachen, uns umeinander kümmern oder etwas geschafft haben. Dabei merken wir, dass vieles das Leben bedroht: Krankheiten, Unfälle, Unwetter und Krieg. Da ist es, das Stichwort. Ein Mädchen sagt, dass es Angst hat. Vor dem, was in der Ukraine passiert. Ich bin betroffen. Der kalte Krieg, der meine Kindheit geprägt hat, steckt mir noch in den Knochen. Mit jeder Nachricht über die nächste Eskalationsstufe sind die Ängste von damals wieder wach. Für die Kinder hatte ich mir ein anderes Lebensgefühl gewünscht. 

Du sollst nicht töten – dieses Gebot ist uralt. Menschen haben es als göttlichen Willen erspürt, weil sie Gott als den Ursprung allen Lebens erfahren haben. Wenn wir töten vernichten wir, was leben soll. Ein Mädchen setzt diesen Gedanken fort: Gott möchte, dass wir bessere Menschen werden. Solche, die leben und leben lassen. Er unterstützt uns darin. Wenn einer tötet, dann war Gottes Mühe mit ihm umsonst. 

Du sollst nicht töten – nie hat dieses Gebot an Aktualität eingebüßt. Wir tun gut daran, nach ihm zu leben. Damit Menschen auch weiterhin in ihren Puls und ihren Atem, beim Chipsknabbern und im Miteinander das Leben spüren können.

Annegret Doms ist Pfarrerin im Kirchenkreis Bad Liebenwerda