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RSSPrint

Eine "Engelkonfirmandin" berichtet

Gerda Steinigk aus Crinitz feiert nach 85 Jahren das seltene Jubiläum der Engelkonfirmation. Am 5. April 1936 wurde sie in Schönwalde im Unterspreewald konfirmiert.

Ihren Konfirmationsspruch zitiert Gerda Steinigk ohne nachdenken zu müssen: „Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus“. Mit diesem Bibelwort aus dem Galaterbrief wurde sie im Frühjahr 1936 gemeinsam mit 14 Mädchen und Jungs „nach vollendetem Unterricht“ konfirmiert. Sehr genau erinnert sich die 99-Jährige an die Konfirmation im Kreis der Familie und die damit verbundenen Vorbereitungen. Wie auch heute konnte die Investition in ein Konfirmationskleid sehr hoch ausfallen. Nur ging es damals nicht so farbenfroh zu. Zur Konfirmation traten die Mädchen im schwarzen Kleid und die Jungs im schwarzen Anzug an. „Wir hatten Seide gekauft. Sicher war es keine echte, sondern Kunstseide. Genäht hat mein Kleid eine Schneiderin aus Schönwalde. Die Kosten waren nicht unerheblich, aber es war damals so üblich“, erinnert sich Gerda Steinigk. Das Konfirmationsfoto zeigt die großgewachsene Jugendliche neben Ernst Gordon, der damals Zeit als Hilfspfarrer in Schönwalde tätig war. Bereits im darauffolgenden Jahr musste er wegen „nichtarischer Herkunft“ die Gemeinde verlassen.

Wenn Pfarrerin Kerstin Höpner-Miech am 20. Juni Gerda Steinigk die Urkunde zum 85. Konfirmationsjubiläum überreicht, wird es auch für die Seelsorgerin ein besonderer Moment sein. „In meiner langen Dienstzeit ist das meine zweite Engelkonfirmation. Frau Steinigk steht noch mit ihren knapp 100 Jahren im Leben, ist wach, ist politisch und gesellschaftlich interessiert. Sie ist für mich ein Vorbild dahingehend, wie alt werden schön sein kann. Es ist schön zu sehen, wie sie die Gemeinschaft mit anderen genießt,“ sagt die Pfarrerin.  

 

Nach der Konfirmation im Frühjahr 1936 bestimmt das politische Geschehen den Lebensweg der jungen Frau. Kaum zwei Tage nach der Feier begann für die 14-jährige Gerda das sogenannte Pflichtjahr als Haushaltshilfe in der nahe gelegenen Stadt Luckau an. Unmittelbar im Anschluss absolvierte sie ein kaufmännisches Jahr und eine dreijährige Lehre zur Schneiderin. Die Möglichkeit ihren Traumberuf auszuüben, wurde ihr genommen. Es folgte der Reichsarbeitsdienst zunächst in Blankensee und Belzig, schließlich in Berlin. Im Februar 1945 kehrte sie dem zerstörten Berlin den Rücken. Nur wenige Tage später heiratete sie ihren Verlobten Martin Steinigk. Die Trauung fand im heimischen Wohnzimmer statt. Nach Kriegsende bauten sie gemeinsam eine Bäckerei auf. Während Martin in der Backstube für die Backwaren zuständig war, kümmert sich Gerda um den Verkauf. Zwei Kinder, Manfred und Gudrun, wurden geboren. Das kleine Familienunternehmen bestimmte ihr Leben bis zur Rente. 1994 verstarb Martin Steinigk. „Ich bin dankbar für 49 Jahre gemeinsam Zeit“, schreibt sie in ihren Lebenserinnerungen. Die rüstige Seniorin versprüht bewundernswerte Lebensfreude. Noch heute lebt sie in ihrem Zuhause in Crinitz. Mit Unterstützung der Familie kommt sie zurecht. In den Zeiten der Pandemie hat sie nicht nur die Frauennachmittage mit Pfarrerin Kerstin Höpner-Miech vermisst. Auch fehlen ihr die Spaziergänge mit ihren weitaus jüngeren Freundinnen. Der Gottesdienst zur Jubelkonfirmation findet am 20. Juni um 10.30 Uhr in der Kirche in Fürstlich Drehna statt.

Franziska Dorn