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Gute Ware für die Beutel

Bei der Finsterwalde TAFEL finden Lebensmittel ihren Weg zu bedürftigen Menschen.

Es begann an einem Novembertag im Jahr 1998. Bei eisigem Wind versammeln sich vor der Finsterwalder Trinitatiskirche eine Handvoll Menschen. Es wird gesungen. „Wenn das Brot, das wir teilen“, begleitet der damalige Jugendwart   Friedemann Müller auf der Gitarre. Aus einem Kofferraum heraus verteilen der Pfarrer Klaus Geese und die damalige Landtagsabgeordnete Barbara Hackenschmidt Stoffbeutel, gefüllt mit Lebensmitteln. Die Empfänger sind Menschen, die bedürftig sind. Es dauert nur wenige Minuten, bis die etwa zwei Dutzend Beutel verteilt sind. Das war die Geburtsstunde der Finsterwalder TAFEL. Den Bedarf hatte damals ganz richtig Pfarrer Klaus Geese erkannt. 22 Jahre sind seitdem vergangen. Der Beutel ist geblieben, ebenso die evangelische Trinitatiskirchengemeinde als Trägerin der Einrichtung. Ansonsten ist die TAFEL erwachsen geworden. Im Ausgabezentrum im Gröbitzer Weg in Finsterwalde, einem   etwas schmucklosen ehemaligen Supermarkt mit Kühl- und Lagermöglichkeiten, arbeiten jeden Tag etwa zwölf Menschen von 8 bis etwa 14 Uhr ehrenamtlich oder gegen ein geringes Entgelt. Mit eigenen Transportern werden Lebensmittel von den Märkten abgeholt. Die Fahrten führen in die Umgebung, aber auch bis nach Dresden und weiter. Die Mitarbeiter*innen laden Kisten voller Lebensmittel aus, trennen Verwertbares von Verfallenem, verpacken die Dinge zu sinnvollen Einheiten und geben sie an die Menschen aus. Die Bürokratie kommt noch dazu. Jede Woche sind es etwa 730 Beutel, die gegen Beträge von 1 bis 5 Euro ihren Weg zu bedürftigen Menschen finden. Rund 1.500 berechtigte Personen stehen in der Kundenkartei der TAFEL. In dem ehemaligen Supermarkt ist Platz für ein kleines Café. Hier ist die TAFEL unter normalen Bedingungen zusätzlich ein sozialer Treffpunkt. „Es ist gut, dass es die TAFEL gibt und zugleich bedauerlich, dass es sie in diesem reichen Land geben muss“. So würden es ihm die Menschen immer wieder sagen, berichtet Markus Herrbruck, der als Pfarrer der Kirchengemeinde die Verantwortung für das Unternehmen führt. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die Arbeit der TAFEL seit ihrer Gründung vor 22 Jahren. Inzwischen ist es ein Unternehmen, das gut geführt werden will. Immer wieder ist es auch eine Herausforderung, Menschen für die Arbeit bei der TAFEL zu gewinnen. Vier Mitarbeitende bringen auf den Punkt, welcher Weg sie zur TAFEL geführt hat. 

Evelin Peiser 

Ein Gespräch am Gartenzaun hat Evelin Peiser zur TAFEL gebracht. Seit knapp drei Jahren ist sie dabei und inzwischen die rechte Hand von Kerstin Nelkert. Ihre Kompetenzen als Buchhalterin werden gebraucht. Und ihr Durchsetzungsvermögen, wenn es mal etwas rauer zugeht. „Niemals hätte ich gedacht, dass ich noch einmal eine Tätigkeit finde, die mich so erfüllt. Hier habe ich eine wirkliche Aufgabe gefunden. Ich hoffe, dass ich noch lange bei der TAFEL arbeiten kann“. 

Peggy Krüger 

Peggy Krügers Platz bei der TAFEL ist an der Ausgabe, wo es unverpackte Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Brot und Brötchen gibt. Die junge Frau wirkt fröhlich. Sieversprüht gute Laune. „Ich habe bereits an meinem vorigen Wohnort ehrenamtlich bei der TAFEL gearbeitet. Ich habe mich dafür entschieden, weil ich weiß, dass viele Menschen in unserem Land auf die Unterstützung mit Lebensmittelspenden angewiesen sind. Außerdem ist es mir wichtig, die Lebensmittel, die noch genießbar sind, vor dem Wegwerfen zu retten. Was mich motiviert? Jede Woche sehe ich, wie viele Menschen regelmäßig zur TAFEL kommen, um Lebensmittelspenden abzuholen. Das zeigt mir die Notwendigkeit, die TAFEL mit meiner Arbeit zu unterstützen. Weil die Arbeit so notwendig ist, erfüllt sie mich. Auch die Dankbarkeit und Freundlichkeit der Mitarbeitenden sowie die herzliche Atmosphäre sind Gründe für mich, bei der TAFEL zu arbeiten“, sagt sie. 

Klaus Rademann 

Von Klaus Rademann wird berichtet, dass er sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lässt. Er packt gern an. Große Reden schwingt er selten. Dafür liegt ihm immer ein trockner Witz auf den Lippen. Was ihn zur TAFEL führte? „Ich habe für meinen Ruhestand eine sinnvolle und vielseitige Tätigkeit gesucht. Da ich bei der Kirchengemeinde engagiert bin, habe ich es bei der TAFEL probiert und hier das gefunden, was mir Freude bereitet. Zum Beispiel der soziale Kontakt zu Menschen, die Hilfe benötigen. Mich motiviert die Dankbarkeit der meisten unserer Nutzer*innen. Wir sind ein gutes Team. Die Arbeit macht Spaß. Was will man mehr?“, sagt der 70-Jährige.

Kerstin Nelkert 

Kerstin Nelkert gehört zu den „alten Hasen“ und zum Führungsteam. Bei ihr laufen die Fäden zusammen. Sie hat den Überblick und ihre ruhige und ausgeglichene Art tut vor allem dann gut, wenn es mal stressig wird. „Mein Weg zur TAFEL führte mich über die Empfehlung ehemaliger Mitarbeiter*innen. Als ich arbeitslos war, wurde ich angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, bei der TAFEL zu helfen. Ich sagte zu und bin nun schon viele Jahre dabei. Ich habe Freudedaran, anderen Menschen zu helfen. Vor allem auch daran, noch verbrauchswürdige Lebensmittel, die sonst vernichtet würden, an Bedürftige weiterzugeben. Es ist schön, wenn man sieht, dass sich die Abholer darüber freuen“, sagt sie.

Autorin: Franziska Dorn