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In Bewegung kommen

„Kommt und seht!“ Zwei kleine Aufforderungen finden sich in dem Monatsspruch für den Januar. Praktischer wird es nicht. Die Frage der beiden Interessierten an Jesus war ja auch eher praktisch: Wo wohnst du? Keine konkrete Antwort: nur „Kommt und seht!“ Die Beiden scheinen sich darauf einzulassen, sie folgen ihm nach.

Mit dem Sehen ist das so eine Sache. Wer sieht schon alles, so wie es ist? Jede, jeder von uns trägt seine Brille aus Erfahrungen, Vorurteilen, Theorien. Manchmal, da sehe ich nur, was ich sehen will. Das hat seine Berechtigung, bei all den Bildern, die mir vor die Linse kommen. Ohne Einordnung bin ich sehr leicht überfordert. Aber schade ist es auch. Schließlich ahne ich, dass das große Bild jenseits meiner Brille noch viel reicher ist, als ich es zu fassen vermag.

Und mit dem Kommen ist es auch so eine Sache. Wer eingeladen sein will, der muss sich aufmachen. Raus aus der Komfortzone. In Bewegung kommen. Das eigene Haus verlassen. Ich merke, das wird Mühe kosten. Mit den beiden Interessierten an Jesus frage ich mich: Werde ich wieder nach Hause kommen oder wird der Weg meine neue Heimat?

Kommt und seht! Ganz praktisch und auf den zweiten Blick ganz schön kompliziert. Aber es tut gut, den Glauben an Jesus mal so herunterzubrechen. Es geht weniger um Traditionen und Lernen oder Regeln. Glaube fängt immer damit an, dass ich mich aufmache und losgehe. Und wenn ich meine Brille auf dem Weg verliere - jeden Tag ein bisschen - dann sehe ich mehr. Bestimmt auch all die anderen, die wie ich auf dem Weg sind.  

Torben Linke ist Pfarrer im Kirchenkreis Bad Liebenwerda