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RSSPrint

Mose hat wieder beide Füße

06.05.2020

Die Kanzel aus Sandstein gehört zu den Kostbarkeiten der evangelischen Trinitatiskirche in Finsterwalde. Das etwa 400 Jahre Kunstwerk bekommt nun eine Frischekur. Bei der Restauratorin Evelin Waldmann ist es in den besten Händen.

 

„Schauen Sie, Mose hat wieder beide Füße“, freut sich Evelin Waldmann. Lange Zeit musste die Tragefigur der Sandsteinkanzel nur mit dem rechten Fuß auskommen. Über die Jahre hinweg hat der Prophet auf seinem etwas eng bemessenen Platz direkt vor der der ersten Bankreihe einiges durchmachen müssen. Unter anderem büßte er seinen linken Fuß ein. Küster Peter Krüger aber hat ihn gut aufbewahrt und auf diesen Moment gewartet. Aber nicht nur dem Mose half die Restauratorin wieder auf die Beine. Zwölf Kleinteile aus Sandstein und Holz konnten inzwischen an dem von Melchior Kunze 1615 geschaffenem Kunstwerk ersetzt werden. Nun geht es an die Oberflächen, die zuvor vorsichtig abgesaugt werden mussten. Gelohnt habe es sich, denn wahrscheinlich sei, dass der letzte professionelle Kanzelputz weit mehr als 100 Jahre zurückliege, informiert Waldmann, die mit ihrer Reinigung bei der aus Holz geschnitzten Figurengruppe auf dem Schalldeckel begonnen hat. Es sind Gottvater, Jesus und die Taube als Symbol des Heiligen Geistes, flankiert von zwei Assistenzfiguren. Immer wieder taucht die Expertin den Pinsel in die Reinigungsmischung und streicht vorsichtig über das Gewand des Heiligen Vaters. „Hinter der grauen Patina tritt ein intensives Silber hervor, das ich so nicht erwartet hätte. Wenn das bei jeder Figur so ist, werden wir deutliche Aufhellungseffekte erleben“, sagt sie. Seit mehr als 30 Jahren restauriert Evelin Waldmann Kirchen. In Finsterwalde ist sie nicht zum ersten Mal zugange. 2017 hat sie bereits die Wände des Altarraumes denkmalschutzgerecht ausgemalt. Auch die Restaurierung des Coswig’schen Epitaphs liegt in ihren Händen. Mit viel Freude arbeite sie nun an der wertvollen Kanzel. Peter Krüger ist begeistert. „Endlich kann man erkennen, dass dort oben Figuren platziert sind. Vorher war alles grau in grau. Es hätte alles Mögliche sein können“, kommentiert er die Arbeit der Restauratorin. Die Aufarbeitung der Kanzel kostet etwa 9.000 Euro. Bei der Finanzierung hilft der erst kürzlich geschaffene Kunstgutfonds des Kirchenkreises Niederlausitz. Daraus fließen 3.000 Euro in das Projekt, weitere 2.500 Euro steuert der Landkreis Elbe-Elster dazu. Die verbleibenden Kosten trägt die Trinitatiskirchengemeinde selbst. Auch Pfarrer Herrbruck freut sich über die Aufwertung der Kanzel. Ihre Bedeutung erläutert er so: „Kanzeln stehen seit der Reformationszeit für die Verkündigung des Wortes Gottes, das direkt an die Menschen gerichtet ist. Sie ist also nicht nur Blickfang, sondern Zentrum der Verkündigung, und dazu ein wertvolles“. Die Finsterwalder Trinitatiskirche ist im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation erbaut worden. Über den Fortschritt der Restaurierung können sich Einheimische und Gäste selbst ein Bild machen, entweder bei den täglichen Kirchenöffnungszeiten oder den Sonntagsgottesdiensten, die ab sofort wieder zur gewohnten Zeit und unter Einhaltung der geforderten Hygienevorschriften stattfinden.  

 

Franziska Dorn