Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Inhalt springen
RSSPrint

M/W/D?

In den Stellenausschreibungen ist diese Abkürzung seit einiger Zeit immer zu lesen. Damit soll betont werden, dass niemand ausgegrenzt ist. Männlich, weiblich, divers – unabhängig vom Geschlecht. Allein die Qualifikation zählt. Auch in Schrift und Sprache wird zunehmend darauf Wert gelegt. Der Doppelpunkt vor der weiblichen Endung bzw. eine kleine Kunstpause beim Sprechen sollen darauf hinweisen. Unabhängig davon aber bleibt eines wichtig: Was macht den Menschen zum Menschen? Ich glaube, es ist unsere Fähigkeit zum Staunen und Ergriffensein. Sie macht den Menschen einzigartig. In meinen Begegnungen mit Jugendlichen begegnen mir ganz verschiedene Charaktere. Der eine, der voller Begeisterung sprudelnd erzählt, die andere, die still ihre Gedanken für sich behält und wieder andere, die in Zurückgezogenheit leben. Allen gemeinsam ist die Fähigkeit des Staunens. Ein kleiner Moment, wo sich die Mundwinkel zu einem Lächeln formen und die Augen leuchten. Solche heiligen Momente erleben wir als Mensch. Beim Musikhören, wenn sich die Härchen aufstellen. Der Sturm, der mich frieren lässt. Ein Sonnenuntergang, der mir Tränen in die Augen malt. Heilige Momente meint die Augenblicke, wo du über deinen Alltag und deine Routine hinausgehoben wirst. Solche Momente zeigen mir: Da ist mehr, als meine Augen sehen. Über gendergerechte Sprache lässt sich vortrefflich streiten. Darüber, dass der Mensch mehr ist als sein Geschlecht, jedoch nicht. Wenn wir am Ende Rückschau halten, werden die heiligen Momente da sein, die den Menschen zum Menschen machen.

Otto-Fabian Voigtländer ist Pfarrer im Kirchenkreis Bad Liebenwerda