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Ohnmächtig

Ohnmächtig müssen wir seit Tagen zusehen, wie Raketen in ukrainische Häuser einschlagen, Menschen verletzt oder getötet werden. Zerstörung, Hunger, Kälte und Hunderttausende auf der Flucht. Ein 6-jähriger Junge spricht an der ukrainische-slowakischen Grenze ernst ins Mikrofon: „Bei uns ist Krieg und wir müssen fliehen. Wenn wir nicht fliehen, müssen wir sterben.“ Unsagbares Leid. Und es ist so nahe, mitten in Europa. Bei alten Menschen kommen eigene Kriegs- und -fluchterlebnisse wieder hoch, hier wie dort. Eine junge Frau, die seit Tagen mit vielen anderen in einem U-Bahnschacht ausharrt, ruft verzweifelt: „Wir wollen einfach in einem ganz normalen unabhängigen Land leben. Ich hoffe, dass alle Gewalt und die Grausamkeit endlich aufhören!“ Auch Menschen in Russland sind in Gefahr. Der Diktator hat die Opposition nach und nach ausgeschaltet. Viele ahnungslose russische Soldaten sind schon getötet worden. Der letzte unabhängige Fernsehsender Doschd musste den Betrieb einstellen. Der Chefredakteur wird gefragt, ob er noch irgendetwas hoffe. Seine Antwort ist die Botschaft, die mich aus der Verzweiflung holt: „Ich glaube, dass es gut sein wird. Ich weiß nicht wann. Aber es wird gut sein. Davon bin ich überzeugt. Ich glaube an die Wahrheit und die Liebe und die Freiheit.“

Brigitte Müller-Lindner ist Pfarrerin in Trebbus im Kirchenkreis Niederlausitz