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Protestanten und Katholiken auf gemeinsamen Wegen?

Seit mehr als 500 Jahren gehen Christen in Europa auf getrennten Wegen. Ursprung des Streites war die Frage, wie der Mensch sein Verhältnis zu Gott in Ordnung bringt. Inzwischen ist man sich dabei relativ einig. Heute spaltet das unterschiedliche Verständnis des Abendmahls die Christen. Spielt das im Alltag der Gemeinden eine Rolle? Von Franziska Dorn

Ich treffe einen katholischen und einen evangelischen Pfarrer. Wenn man Pfarrer Christoph Hanke aus Straupitz und seinen katholischen Amtsbruder Udo Jäkel aus Lübben zur Kluft zwischen katholisch und evangelisch befragt, winken sie ab. Zwar reden die beiden immer mal wieder von „deiner“ und „meiner Seite“, aber nur um zu verstehen zu geben, über welche Gruppe von Menschen gerade gesprochen wird. In der zunehmend entkirchlichten Gesellschaft, laute die Frage weniger „katholisch" oder „evangelisch", sondern eher „christlich“ oder „nicht christlich“. „Unsere Aufgabe ist es, für Menschen da zu sein. Da unterscheiden wir uns erstmal gar nicht“, sagt Christoph Hanke. Dass Katholiken und Protestanten gemeinsam in einem Chor singen oder musizieren, ist inzwischen fast üblich. Der Weltgebetstag der Frauen ist eine ausdrücklich ökumenische und sehr erfolgreiche Veranstaltung. Einen St. Martin, der heute für die eine und morgen für die andere Seite den Mantel teilt, kann man sich hierzulande nicht mehr vorstellen. Und die Sternsinger sind schon lange nicht mehr ausschließlich katholisch. Wo möglich, wird gemeinsame Sache gemacht und in der Regel für gut befunden. An manchen Orten nutzt man dieselben Gotteshäuser, nur zu unterschiedlichen Zeiten. Mitunter führt die Not zu ungewöhnlichen Kooperationen. Als Christoph Hanke weder einen Kollegen noch einen ehrenamtlichen Prediger für den Sonntagsgottesdienst finden konnte, fragte er als letztes Mittel der Wahl bei seinem Amtsbruder Jäkel an. Jäkel selbst stieg nicht auf die Kanzel der berühmten Schinkelkirche in Straupitz, aber er schickte einen Mitarbeitenden. Der Gottesdienst war gerettet. Die Gemeinde zufrieden. Die Aufregung gering. Natürlich gebe es im Vollzug und im Verständnis einiges, das nicht zueinanderpasse. „Das Segnen von Dingen ist mir zum Beispiel fremd. Das widerspricht meinem evangelischen Verständnis“, sagt Hanke. „Wir gehen davon aus, dass die Gegenstände, die wir segnen, dem Heil der Menschen dienen, zum Beispiel Feuerwehrfahrzeuge“, erklärt Jäkel. Und das Abendmahl? Theologisch komme man da tatsächlich nicht zusammen. In der Praxis aber wünschten sich viele eine gemeinsame Feier. In absoluter Einigkeit stehen beide Pfarrer vor der großen Frage, wie das Evangelium an die Menschen weitergegeben werden kann. Was eint, ist also das Ziel. Die Wegstrecken, die man dabei gemeinsam beschreitet, werden in der Niederlausitz jedenfalls immer mehr und immer länger.