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Unbekannter Taufengel kehrt in Staupitzer Kirche zurück

Nach vielen Jahrzehnten Abwesenheit ist am vergangenen Sonntag ein sogenannter Taufengel in die Staupitzer Kirche zurückgekehrt. Das restaurierte Kunstwerk aus Holz hat einen Platz in der Nähe des Taufsteins gefunden. Ob er ursprünglich dort schwebte, kann nicht gesagt werden, denn im Ort erinnert sich niemand an diesen Engel. Er war ein Zufallsfund im Depot des kirchlichen Bauamtes in Berlin. „Ein kleiner Zettel mit dem Hinweis ‚Staupitz‘ an dem arg in Mitleidenschaft gezogenen Kunstwerk verwies auf den Ort in der Niederlausitz“, informiert Dr. Claudia Rückert, Kunstgutreferentin bei der Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Untersuchungen hätten ergeben: Der Engel ist zusammen mit dem Altar und dem Pfarrstuhl Anfang des 18. Jahrhunderts für die Staupitzer Kirche gefertigt worden. Zu dieser Zeit waren die schwebenden Figuren sehr beliebt. Wie und warum der Engel verschwand? Darüber könne nur gemutmaßt werden, sagt Rückert. „Es gab Zeiten, da waren Taufengel außer Mode und theologisch umstritten. Möglicherweise ist der Staupitzer Engel bereits im 19. Jahrhundert aus der Kirche entfernt und irgendwo eingelagert worden“. Heute gelten die Engel als unproblematisch und sind Zeugnisse ihrer Zeit. Wenn möglich, finden sie wieder Platz in den Gotteshäusern. Der Staupitzer Engel hatte Glück. Geld vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg sowie eine Zuwendung vom Kirchenkreis Niederlausitz ermöglichten die Restaurierung. Holzschnitzer Claus Spies und Restauratorin Silvia Koch aus Berlin haben ganze Arbeit geleistet. „Hier schwebt nun der Taufengel in jugendlichem Glanz und bestens in Form. So, als hätte er nur Gutes erfahren. Dabei habe er einiges mitgemacht und Gewalt erlebt“, sagt Pfarrerin Uta Wendel in ihrer Predigt. Als er gefunden wurde, hat der Engel einen traurigen Eindruck gemacht. Die Arme waren nicht mehr am Körper. Die Nase, einige Finger und Zehen waren verschwunden. Der Holzwurm erfreute sich an den Gewändern und die Farbe war abgeblättert. In seinem Kopf fand man sogar ein Projektil, das nun unter seinen Haaren versteckt ist. Das Datum dieser Kopfverletzung ist unklar. Unklar ist auch, was der Engel ursprünglich in seinen Händen hielt. Anfangs ging man von einem Lorbeerkranz mit einer Taufschale aus. Nach der Rekonstruktion seiner Körperhaltung kann es sich aber nur um ein typisches Spruchband handeln. Das blieb allerdings verschollen. Die Kirchengemeinde in Staupitz hat ein neues anfertigen lassen. „Friede auf Erden“ steht auf ihm geschrieben. Möge sein Wunsch Gehör finden. 

Beim Festgottesdienst zum Erntedankfest ist der außergewöhnlich zierliche Engel mit seinem fließenden Gewand in Pastelltönen feierlich eingeweiht worden. Seine Wiederkehr war ein Gemeinschaftswerk von vielen. So dankte Uta Wendel auch Tischlermeister Andreas Schadock aus Gordon-Staupitz für das Aufhängen und Annegret Gehrmann, Kunstgutbeauftragte im Kirchenkreis, für die Vermittlung und die intensive Aufklärungsarbeit. Wann genau der restaurierte Engel bei seiner ersten Taufe in Staupitz Pate sein wird, ist nicht bekannt. Möglicherweise lässt sich das eine oder andere Elternpaar von seinem lieblichen Blick überzeugen. Andere Taufengel schweben in den Kirchen in Massen, Kreblitz und Walddrehna. 

F. Dorn