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RSSPrint

Warum wir an Paul Schneider erinnern

08.07.2020

„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Das ist die Leitlinie von Paul Schneider, dem Prediger von Buchenwald. Der 18. Juli ist sein Todestag. Der evangelische Pfarrer wurde im Konzentrationslager Buchenwald nach zwei Jahren Haft am 18.7.1939 ermordet. Warum? Die Nazis konnten nicht akzeptieren, dass er seinen christlichen Glauben höher bewertete, als den politischen Gehorsam gegenüber dem Staat. Er konnte es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren, dass Gesetze erlassen wurden, die Menschen „nichtarischer Herkunft“ die Arbeit im öffentlichen Dienst verboten. Er schloss sich der bekennenden Kirche an, die aus dem von Martin Niemöller gegründeten Pfarrernotbund hervorgegangen war und kämpfte mit aller Kraft gegen das staatlich verordnete Unrecht und die schleichende Vergiftung des menschlichen Zusammenlebens. Deshalb kam er schon 1937 nach Buchenwald und dort ganz schnell in Dunkelarrest mit Folter. Ungebrochen rief er von hier den Leidensgenossen Bibelworte zur Stärkung zu. „So spricht der Herr: Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Weiter kam er nicht. Aber schon diese Worte schenkten lebensspendenden Trost. Warum wir uns heute noch an Pfarrer Paul Schneider erinnern? Weil er für seinen Glauben gegen den Strom geschwommen ist. Er war kein Mitläufer und kein Duckmäuser. Er ist ein Vorbild für junge Leute, die in der ganzen Welt gegen Rassismus demonstrieren. Begleiten wir sie im Geiste Paul Schneiders mit unseren Gebeten.

Frank Wendel, Pfarrer in Doberlug-Kirchhain, Evangelischer Kirchenkreis Niederlausitz