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Wir gehen erhobenen Hauptes …

11.01.2021

In den 1980ern lernte ich einen Pfarrer aus Südafrika kennen. Pfarrer Dean Farisani hatte von seinem Leben und der Rassentrennung in seinem Land erzählt und dass er selbst immer wieder inhaftiert war. Über seine Gefängnisaufenthalte berichtete er in einem Gedicht: „Im Gefängnis Schmerzen, im Kerker Schmerzen, Nahrung mit Würmern, ich esse alles, Wunden eitern, Feinde umgeben mich, doch ich gehe erhobenen Hauptes. Meine Frau, meine Kinder sind nicht da. Ich gehe erhobenen Hauptes. Gefängnismauern umgeben mich, in mir Schmerzen. Ich gehe erhobenen Hauptes – in Jesu Namen, sein Name sei gelobt!“ Trotz aller Entbehrung konnte man Farisani nicht brechen.  „Wir gehen erhobenen Hauptes … in Jesu Namen!“ Das mag für die Ohren mancher befremdlich klingen. Farisani hat es als Christ so gesagt. Er schöpfte Kraft aus seiner Religion. Andere schöpfen ihre Kraft aus anderen Quellen. Solche Quellen können religiös oder auch weltanschaulich fundiert sein. Ich denke an den 24-jährigen Joshua Wong und an seine Freunde Agnes Chow und Ivan Lam, die sich vor einigen Wochen wegen der Proteste in Hongkong schuldig bekannt haben. Sie hatten die Proteste angeleitet. Von einer längeren Haftstrafe in China ist die Rede. Diese drei und jeder, der sich gegen Unrecht einsetzt und dabei bis in die letzte Konsequenz geht, der geht „erhobenen Hauptes“. Für solche Menschen bin ich sehr dankbar. Sie tun das für die Freiheit und den Frieden. Sie tun es. Für uns alle.

Klaus Tiedemann, Pfarrer im Kirchenkreis Bad Liebenwerda