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RSSPrint

Wort zum Sonntag - Stürmische Zeiten

10.02.2020

Was war das für eine Woche.  Nachts wachte man auf und hörte es klappern und schlagen. Es pfiff und brauste, besorgte Blicke sahen nach dem Dach und den gegenüberstehenden Bäumen. Am Morgen dann die bange Frage, ob alle heil zur Arbeit durchgekommen sind. Manche sind gestrandet, mussten anhalten, kamen nicht weiter. Züge fuhren nicht und mancher stellte sich aufs Warten ein. Und doch sind die meisten von uns  glimpflich davongekommen. 

Was war das für eine Woche. Eine Schlagzeile jagt die andere. Ein Rücktritt nach dem Anderen. Es pfeift und braust auf allen Nachrichtenkanälen und erst recht in den sozialen Medien. Besorgte Blicke im Hintergrund, die möglichst von keiner Kamera erfasst werden sollen. 

Ja, es sind stürmische Zeiten. Und tatsächlich frage ich mich, was uns gerade in solchen Zeiten Stabilität gibt. Und wie wir da durchkommen. Und wann es sich wieder beruhigt. Und welche Schäden dann zu beheben sind.

In unseren Städten und Dörfern wird meist schnell wieder „aufgeräumt“ nach solchem Sturm. Viele bücken sich und sammeln ein, was abgebrochen ist. Achten auf den querliegenden Stolperstock nicht nur vor dem eigenen Grundstück.  Zugleich gibt es aber die Schäden, die lassen sich nicht so ohne weiteres wegräumen lassen. Schäden, die wir länger spüren und sehen werden. Da weiß im Augenblick keiner, ob und wie wir die wieder „in den Griff“ bekommen. In unseren Wäldern wird es sehr lange dauern und auch in unserer Gesellschaft und unserem Miteinander. 

Da zerschlägt es eben nicht nur die berufliche Karriere von Einzelnen, sondern uns alle Betreffendes. Vertrauen und Zutrauen, dass auch andere ihre Arbeit ordentlich machen. Unser Wissen, dass wir doch grundsätzlich aufeinander Angewiesene sind. Verlässliche Abläufe werden in stürmischen Zeiten durcheinander gewirbelt.

Und wir sind in manchem Sturm mittendrin. Auch wenn es uns, gottlob, meist nicht an Leib und Leben geht, bleiben doch Fragen: Was gilt unter uns verlässlich? Was wollen wir denn, das gelten soll? Und was können wir selber dafür tun? Sonst bleibt es ja bei denen da (oben) und uns hier. Nein, genau diese Gegenüberstellung ist schwierig und delegiert, was in unserer eigenen Macht ist. Stolperstöcke aufheben, zum Beispiel.  Nicht noch Öl ins Feuer gießen. Der Stadt Bestes suchen. Das will ich gerne als meine und unsere Aufgabe ansehen: Das Beste suchen. Darüber reden, was denn das Beste ist. Was uns gut tut. Was wir brauchen. Das ist übrigens auch eine Empfehlung des Propheten Jeremia aus der Bibel. „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn.“ (Jer. 29,7).

 

Theresa Rinecker
Generalsuperintendentin