10.12.2024
Im kleinen Ort Laasow, Ortsteil von Vetschau, ist die Kirche schwer geschädigt. Wegen vieler Risse im Mauerwerk droht das Gebäude einzustürzen. Im Jahr 2022 musste es für die Öffentlichkeit gesperrt werden. Das war ein Weckruf auch für Menschen, die gar nicht in der Kirche sind. Wenn das Gotteshaus im eigenen Dorf verfällt, ist das wenigen egal.
Das zeigte ein Zusammentreffen der Bürgerinitiative zur Rettung der Kirche jüngst im Laasower Bürgerhaus, an dem auch Bürgermeister Bengt Kanzler teilnahm. Anlass war der Besuch von Nadine Kutzschbach. Die Kommunalberaterin der Firma Envia M hatte eine Weihnachtsspende in Höhe von 1.750 Euro im Gepäck. „Nachahmer gesucht“. So wünschen es sich Harald Kupsch von der evangelischen Kirchengemeinde Gräbendorfer See und die Mitstreiterinnen und Mitstreiter von der Initiative, denn jeder Cent wird gebraucht. Auf etwa 650.000 Euro werden die Kosten der Sicherstellung mindestens geschätzt. Der Einbau eines Ringankers ist erforderlich, damit die Statik des Gebäudes wieder in Ordnung kommt.
Dass es inzwischen einige Nachahmer gibt, ist auch Peter Juhran zu verdanken. „Die Sperrung der Kirche hat uns aus dem Schlaf gerissen“, sagt er. Seine Spendentour führte ihn unter anderem zu Vetschauer Unternehmerinnen und Unternehmer, bei denen er auf offene Ohren stieß. Auf Zusagen für Mittel in Höhe von 30.000 Euro kann er inzwischen verweisen. Alles ist aber abhängig davon, ob der Antrag auf Fördermittel im Rahmen der LEADER-Förderung bewilligt wird. Dazu hatte Bürgermeister Kanzler gute Nachrichten. Die erste Hürde, der LEADER-Beirat, ist genommen. Nun hoffen die Initiatoren auf eine endgültige Bewilligung durch das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung. Zusagen über weitere Fördermittel gibt es auch vom Evangelischen Kirchenkreis Niederlausitz.
Dass die Kirchensanierung Fahrt aufgenommen hat, freut auch Karin und Kathrin Werschnitzke von der Kirchengemeinde. Untätig war die Gemeinde zuvor nicht. Jeder erdenkliche Anlass wurde genutzt, um Spenden einzuwerben, zum Beispiel bei den Seegottesdiensten am Gräbendorfer See oder den Kuchenbasaren beim Gemeindefest. 20.000 Euro zweckgebunde Spenden liegen bereit.
Zuvor gab es einen verlorenen Kampf um Bergbauentschädigungsgeld. Das entmutigt die Gruppe nicht. Vor allem Peter Juhran denkt nicht ans Aufgeben. „Ich will noch erleben, wie unsere Kirche wieder in Ordnung kommt. Wenn wir jetzt am Ball bleiben, kann die Sanierung 2026 beginnen“, sagt der 77-Jährige.
Ein Blick ins Innere der Kirche macht die Dringlichkeit deutlich. Eine Stütze ist erforderlich, um die Deckenwölbung, in der ein Loch klafft, an ihrem Platz zu halten. Dicke Risse ziehen sich durch die Pfeiler. Der heutige Schaden ist das Ergebnis eines zurückliegenden Baufehlers. Nach dem Abriss der Patronatsloge in den 1990er Jahren hätten Stützbalken diese ersetzen müssen.
Die Kirche in Laasow fehlt nicht nur als Ort für Gottesdienste. Die Gemeinde erinnert sich gern an Konzerte mit der ukrainischen Folkloregruppe oder dem Chor der Bergarbeiter.
Immer wieder führt es Touristen in den Ort, die gegenwärtig vor verschlossener Kirchentür stehen. Das soll sich ändern. Wenn das Gotteshaus wieder instandgesetzt ist, soll dort eine Dauerausstellung über die Dorfgeschichte einen Platz finden. Das berichtet Ortschronist Andreas Tarz und kann auf drei bemerkenswerte Epitaphe der Ritterfamilie Zabeltitz, auf einen Taufengel und eine Holzschnitzfigur in der Kirche hinweisen. Die Menschen in Laasow sehen ihr Dorf am Gräbendorfer See als einen Anker zwischen dem Spreewald und dem Lausitzer Seenland und damit als einen kulturellen Ort von hohem Stellenwert für die touristische Erschließung der Region. Nicht zuletzt verweist man auf das wendische Siedlungsgebiet, auf zweisprachige Gottesdienste und die Verbindung zur Slawenburg in Raddusch.
Spendenkonto
Bank für Kirche und Diakonie
Evangelischer Kirchenkreisverband Lausitz
IBAN: DE 96350601901544444014
Verwendungszweck: RT1017
Spende Kirchensanierung Laasow
Franziska Dorn